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Heinrich Mrkos (1924—2019)

Heinrich Mrkos 19.2.2015 Foto: T. Exel

Am 10.10.2019 verstarb Heinrich Mrkos, besser als „Kauri“ bekannt, im 96. Lebensjahr. Da eine ausführliche Auflistung seiner Tätigkeiten in den HKM 7-8/2004 anlässlich seines 80. Geburtstages von Helga Hartmann und Heinz Ilming publiziert wurde, wird hier vor allem auf sein Schaffen auf dem Gebiet der Höhlenkunde eingegangen. Heinrich, später Heinz genannt, kam am 3. Juli 1924 als Kind von Josef und Maria Mrkos (geborene Alber) in Wien zur Welt. Mit seinem Vater unternahm Kauri viele Wanderungen, was sein Interesse für die Natur weckte und schon mit sechs Jahren besuchten sie die Hermannshöhle bei Kirchberg am Wechsel – eine Höhle, die sein Leben, und auch das seiner späteren Familie, entscheidend prägen wird. In seiner Schulzeit machte er gemeinsam mit seinem Klassenkameraden Hubert Trimmel Bergwanderungen und Höhlentouren in NÖ. Ihr Geographieprofessor im Gymnasium in Wien war Dr. Franz Waldner, ein engagierter Speläologe, der die beiden Schüler in die Hermannshöhle mitnahm, um soeben entdecktes Neuland zu erforschen und dokumentieren. Da der damalige Führer der Hermannshöhle zum Kriegsdienst einrücken musste, halfen die Schüler an Wochenenden und Feiertagen beim Führungsdienst aus, was die Bindung zur Hermannshöhle weiter festigte.

Nach seiner Rückkehr vom Kriegsdienst in Griechenland konnte er sich wieder seinem Hobby zuwenden und war von Anfang an Mitglied beim 1945 gegründeten Landesverein für Höhlenkunde in Wien und NÖ (LHWN). 1954 übernahm er dann die Redaktion und den Druck der monatlich erscheinenden Höhlenkundlichen Mitteilungen (HKM). Die Redaktion gab er ab, als er 1966 Obmann des Vereins wurde. In seiner 28-jährigen Obmannschaft hat er den Verein entscheidend geprägt: die Übersiedlung in das heutige deutlich geräumigere Vereinsheim ist seinem Verhandlungsgeschick zu verdanken und auch, dass der Verein finanziell heute so gut aufgestellt ist. Wenn es um die eigentliche Erforschung von Höhlen geht, soll hier erwähnt werden, dass Kauri 1962 durch seine Kontakte die Expeditionen aufs Dürrensteinplateau initiierte. Insgesamt 17 Jahre wurde dort geforscht und es konnten 120 Höhlen neu entdeckt werden – die bedeutendste ist die 5252 m lange Lechnerweidhöhle.

Gemeinsam mit Charly Mais rief er 1981 auch die Speläologische Vortragsreihe ins Leben, die bis heute rund 9000 Besucher anzog. Volksbildnerisch noch viel bedeutender war sein Engagement für die Hermannshöhle, die 1968 zum Verkauf stand. Er zögerte nicht und motivierte einige Vereinsmitglieder gemeinsam die Höhle zu erwerben, zu sanieren und die Führungen zu machen. Er kümmerte sich nicht nur jahrelang um die Finanzen, sondern praktisch um alles: Vom Umbau des Führungswegs, wo er selbst Hand anlegte, übers Buffet bis zur Organisation des Führungsdienstes. Und fast immer hatte er das richtige Gespür und Geschick wenn er Dinge anpackte.

Auch meine erste Begegnung mit Kauri war nahe der Hermannshöhle. Es war im Herbst 1988, ich war damals 13 und hatte meine Mutter überredet mit mir in die Antonshöhle zu gehen. Diese liegt oberhalb vom Weg zwischen den Eingängen der Hermannshöhle und uns war nicht ganz klar ob wir da überhaupt hinein dürfen. Als wir wieder herauskamen war da ein älterer Herr (Kauri war damals 64), der den Weg kehrte. Vorbeischleichen ging schwer und somit stellten wir uns. Wider Erwarten kam es aber zu einem netten Gespräch und Kauri erzählte uns von seiner Hermannshöhle. Später hatten wir dann natürlich im Höhlenverein und bei der Hermannshöhle viel miteinander zu tun. Unvergesslich sind vor allem die Abende mit Kauri nach dem Führungsdienst beim Mostheurigen, wo er unendlich viele Geschichten aus seinem spannenden Leben erzählte. Und auch wenn wir einige “Klassiker” schon zum x-ten Mal gehört hatten, waren sie so gut erzählt, dass wir immer gefesselt waren und auch immer wieder lachen mussten.

Zu erwähnen ist, dass Kauri aufgrund seines Engagements für die Fledermausforschung 1982 zum Korrespondent des Naturhistorsichen Museums ernannt wurde, und für sein volksbildnerisches Schaffen wurde ihm 1984 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland NÖ verliehen. Seit 1994 war er Ehrenmitlgied im LHWN. Ich möchte diese Auszeichnungen nicht schmälern, aber was uns von Kauri wirklich in Erinnerung bleiben wird sind seine menschlichen Qualitäten. Besonders beeindruckt hat mich seine unglaubliche Energie, die er selbst im hohen Alter aufbrachte und seine Fähigkeit Leute zu begeistern, sei es mit seinen Geschichten, Liedern und Gedichten oder er begeisterte andere für seine Ideen und Projekte. Seine sparsame Art führte teilweise zu Kontroversen, aber im Endeffekt hatte er doch praktisch immer den richtigen Riecher, wenn er Dinge anpackte.

Lukas Plan

 

Erwin Stummer (1940–2018)

Jiri Vokac

Der Verein für Höhlenkunde Ebensee und der Landesverein für Höhlenkunde in Wien und Niederösterreich trauern um Erwin Stummer, der am 18. 8. 2018 plötzlich und unerwartet in Kapstadt (Südafrika) verstorben ist. Als Sohn des Ebenseer Solvaywerks-Laboranten Josef Stummer, der sich an der Erforschung der Gassel-Tropfsteinhöhle beteiligt und deshalb vom Hauptverband deutscher Höhlenforscher mit dem Bronzenen Höhlenbären ausgezeichnet worden war, stieß Erwin gemeinsam mit seinem Bruder Günter bereits als Jugendlicher zur Höhlenforschung. Im Alter von zwölf Jahren lernten sie den Höhlenforscher Josef Novotny kennen, der Erwin und Günter regelmäßig zur Gassel-Tropfsteinhöhle und der Gasselhütte einlud, wo die beiden in ihrer Freizeit als Schauhöhlenführer und Lastenträger tätig waren und dem Verein für Höhlenkunde Ebensee beitraten. Da in der Nachkriegszeit die Erhaltung und der Betrieb der Hütte und Schauhöhle im Vordergrund standen, begannen Erwin und Günter nebenbei auch die Höhlen in der Nähe des Vereinssitzes zu erkunden.

Um seine Ausbildung als Techniker fortzusetzen, ging Erwin 1956 nach Wien, wo er auch Mitglied des dortigen Landesvereins wurde und dadurch Kontakte zu Kollegen aus Linz knüpfte. Das führte ihn wieder des Öfteren nach Oberösterreich, wo er an Fahrten in die Hirlatz- und Raucherkarhöhle und auch in andere Höhlen im Salzkammergut teilnahm. 1959 war Erwin Mitglied der Ahnenschacht-Expedition unter der Leitung von Karl Trotzl und Ottokar Kai, wobei damals eine Tiefe von 300 m erreicht wurde. Anfang der 1960er Jahre kam dann auch sein Bruder Günter nach Wien, worauf sie gemeinsam zahlreiche Forschungsfahrten unternahmen. Eine der ersten Touren war eine 1962 durchgeführte Expedition des Verbandes Österreichischer Höhlenforscher in das Elmhöhlensystem im Toten Gebirge. Von da an nahmen Erwin und Günter regelmäßig an den jährlich veranstalteten, einwöchigen Dachstein-Mammuthöhlen-Expeditionen des Landesvereins für Höhlenkunde in Wien und Niederösterreich teil.

Da Afrika immer schon einen bestimmten Reiz auf Erwin ausübte, beschloss er, 1966 nach Südafrika auszuwandern. Aber auch dort blieb er der Höhlenforschung treu, und zusammen mit seiner Frau Hedi dehnte er seine Interessen, z.B. auch über die „South African Archaeological Society“, auf geologisch-paläontologische, länderkundliche und prähistorisch-anthropologische Tätigkeiten aus. Bis zu seinem plötzlichen Ableben gehörte er dem Verein für Höhlenkunde Ebensee an und unternahm auf zahlreichen Reisen immer wieder Wanderungen in den Nördlichen Kalkalpen. Zuletzt verfasste er noch einen Beitrag für die Gasselhöhlen-Monografie, welche eine Woche nach seinem Ableben erschien. Seiner Frau Hedi und seinen Kindern gilt unser tiefes Mitgefühl. Wir werden sein Andenken in Ehren halten.

Johannes Mattes

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R. Eschlböck in der Sintervulkan-Halle der Gassel-Tropfsteinhöhle (1618/3)


© H. Mohr

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